… Jeder Hund ist und war was besonderes!



SAM
Erfahrungen, Entwicklungen und vieles mehr
Mein aktueller Hund SAM kam Mitte Dezember 2023 zu mir. Er wurde am 20.10.2019 in Rumänien geboren und stammt ursprünglich aus einer Tötungsstation. Als Welpe kam er nach Deutschland.
Äußerlich erinnert er stark an einen Altdeutschen Hütehund („Schafpudel“)-Mix, weshalb er oft als „Schapu“ bezeichnet wird. Anfangs wurde vermutet, dass er ein Ciobănesc Românesc Mioritic-Mix sein könnte. Betrachtet man jedoch seinen Körperbau, seine Größe, sein Gewicht und vor allem sein Verhalten genauer, passt dieses Bild nicht.
Sam zeigt viele typische Verhaltensweisen eines Hütehundes: Einkreisen, Verharren, vorsichtiges Heranpirschen und intensives Fixieren. Dabei senkt er den Vorderkörper ähnlich wie ein Border Collie, wenn dieser ein Schaf zurück zur Herde treiben möchte. Da Sam jedoch nie die Möglichkeit hatte, seine eigentliche Veranlagung sinnvoll auszuleben, entwickelte sich das Hüteverhalten zunehmend zu Jagdverhalten. Genau hier zeigt sich, wie schnell ein Arbeitshund ohne passende Aufgabe ein unerwünschtes Alternativverhalten entwickeln kann.
Ein schwieriger Start
In den ersten drei Lebensjahren musste Sam mehrfach ins Tierheim zurück.
Die erste Familie war mit mehreren Kindern und seinem Temperament überfordert. Die zweite Vermittlung verlief zunächst vielversprechend, scheiterte jedoch, nachdem Sam geschnappt hatte. Schließlich verlor er sein Zuhause durch die Trennung seiner letzten Besitzer.
Diese häufigen Besitzerwechsel hinterließen deutliche Spuren. Unsicherheit, Misstrauen und mangelndes Vertrauen hatten sich tief eingeprägt. Genau hier begann meine eigentliche Arbeit: Vertrauen aufbauen.
Sams Baustellen
Wie so oft ziehen mich gerade die Hunde an, die etwas mehr Unterstützung benötigen.
Bei Sam zeigten sich unter anderem folgende Verhaltensauffälligkeiten:
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Unsicherheit gegenüber Kindern
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Leinenaggression gegenüber anderen Hunden
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ausgeprägtes Jagdverhalten
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Unsicherheit gegenüber fremden Menschen
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Jaulen und Bellen beim Autofahren aufgrund hoher Erwartungshaltung
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Geräuschempfindlichkeit
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Schreckhaftigkeit
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innere Unruhe und Nervosität
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Schwierigkeiten, wirklich zur Ruhe zu kommen
Positiv war dagegen, dass Sam gerne ins Auto sprang und dieses erst auf Aufforderung wieder verließ.
Zusätzlich fiel mir auf, dass er Schwierigkeiten im Nah- und Fernbereich des Sehens sowie bei schlechten Lichtverhältnissen hatte. Im Haus legte er sich bevorzugt in enge Bereiche. Wurde er dort überrascht oder stieg jemand über ihn hinweg, erschrak er teilweise so stark, dass er nach vorne ging oder sich mit den Vorderpfoten verteidigte. Die dabei entstehenden Verletzungen waren glücklicherweise meist nur kleinere Kratzer oder blaue Flecken.
Gesundheitliche Untersuchungen
Bereits vor der Übernahme wurde Sam vom Tierheim umfangreich tierärztlich untersucht.
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Blutbild unauffällig
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Organe unauffällig
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Haut und Fell ohne Befund
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Mittelmeerkrankheiten negativ
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Borreliose und Anaplasmose im September 2023 positiv getestet und erfolgreich behandelt
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Nachkontrolle nach 30 Tagen negativ
Damit konnten organische Ursachen wie Schilddrüsen-, Leber-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen zunächst weitgehend ausgeschlossen werden. Der Schwerpunkt lag deshalb zunächst auf seiner Psyche.
Kleine Schritte zum Vertrauen
Unser Ziel war nie Perfektion.
Wir arbeiteten Schritt für Schritt an Vertrauen, Orientierung und gegenseitigem Verständnis. Langsam näherten wir uns jeder einzelnen Baustelle.
Mein Wunsch war es, Sam später bei Hausbesuchen und Dogwalks mitzunehmen. Dort sollte er nicht nur lernen, sondern gleichzeitig als ruhiger Begleiter bei Hundebegegnungen unterstützen.
Update 09.03.2024
Die größte Anfangsphase hatten wir inzwischen erfolgreich bewältigt.
Sam lief zuverlässig an der Leine, der Rückruf entwickelte sich sehr gut und auch im Freilauf orientierte er sich immer stärker an mir. Er achtete zunehmend auf meine Körpersprache.
Auch das Autofahren funktionierte inzwischen problemlos, sodass ich ihn regelmäßig zu Hausbesuchen und meinen Dogwalks mitnehmen konnte. Dort unterstützte er bereits bei Hundebegegnungen.
Unsere Bindung hatte sich deutlich verbessert.
Jetzt begann der Feinschliff.
Ein perfekter Hund ist für mich nicht wichtig. Entscheidend ist, dass ein Hund dann zuverlässig funktioniert, wenn es wirklich darauf ankommt.
Update 23.04.2024
Im Feinschliff zeigten sich plötzlich Verhaltensweisen, die zuvor kaum erkennbar waren.
Sam wechselte innerhalb von Sekunden von selbstsicher zu extrem schreckhaft. Situationen, die vorher keinerlei Probleme bereitet hatten, wurden plötzlich zu Auslösern.
Manchmal schaute er mich an, als würde er mich überhaupt nicht kennen. Sein Blick wirkte leer oder regelrecht durchdringend. Besonders zu Hause kam es vor, dass er sich zunächst freute und unmittelbar danach fixierte oder Drohverhalten zeigte.
Ansprechen, Korrigieren oder gar Strafen brachten keinerlei Erfolg. Im Gegenteil.
Zusätzlich fiel mir auf, dass Sam gelegentlich mit leicht rundem Rücken lief, als hätte er Schmerzen. Beim Abtasten zeigte er jedoch keinerlei Reaktion.
An diesem Punkt entschied ich, zunächst keine weitere Trainingsarbeit zu leisten, sondern gemeinsam mit einer verhaltensmedizinisch erfahrenen Tierärztin nach möglichen medizinischen Ursachen zu suchen.
Gerade bei solchen Hunden reicht Training allein oft nicht aus.
Update 14.06.2024
Die Untersuchungen brachten schließlich mehrere gesundheitliche Ursachen ans Licht.
Da Sam ständig an seinen Hinterläufen leckte und sich dort kaum untersuchen ließ, bestand bereits der Verdacht auf Schmerzen.
Unter Sicherung mit Maulkorb stellte sich heraus:
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eine Wolfskralle war vereitert
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die andere stark entzündet
Mein Verdacht bestätigte sich.
Zusätzlich wurde wegen seiner immer wiederkehrenden Durchfälle ein umfangreiches Kotprofil erstellt. Die üblichen Verdächtigen wie Giardien waren negativ. Stattdessen zeigte sich eine starke Vermehrung von Clostridien.
Auch die Borreliosewerte waren erneut erhöht.
Schilddrüse und Organprofil lagen dagegen im normalen Bereich.
Sam erhielt Antibiotika sowie Schmerz- und Entzündungshemmer. Außerdem bekam er einen Kurzhaarschnitt, wodurch Körpersprache und gesundheitliche Veränderungen deutlich besser zu erkennen waren.
Die Clostridien wurden über Fütterungsanpassungen mit ballaststoffreicher Kost und Flohsamenschalen behandelt.
Bereits kurze Zeit später war Sam deutlich anhänglicher, entspannter und verschmuster.
Erst jetzt machte weiteres Training wirklich Sinn.
Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, dass Verhaltenstraining allein manchmal nicht weiterhilft. Erst wenn Schmerzen oder medizinische Ursachen erkannt und behandelt werden, kann Training überhaupt erfolgreich sein.
Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle auch meiner „Hardcore-Dogwalk-Gruppe“. Viele ihrer Beobachtungen haben entscheidend dazu beigetragen, die richtigen Schlüsse zu ziehen.


Sam Sommer Loock 2024
Update 24.04.2025
Leider mussten wir einen Rückschlag hinnehmen.
Bei einem Spaziergang sprang ein Herdenschutzhund auf Sam zu, nachdem dessen Halter ihn nicht mehr halten konnte. Sam wurde im Nacken- und Ohrenbereich getroffen.
Die körperlichen Verletzungen waren zum Glück gering.
Psychisch hinterließ das Erlebnis jedoch deutliche Spuren.
Seitdem reagiert Sam auf ähnliche Hundetypen mit großer Unsicherheit und deutlicher Ablehnung. Mittlerweile genügt oft schon der Anblick des dazugehörigen Hundehalters.
Daran würde ich gerne gezielt arbeiten. Leider fehlt mir bislang ein geeigneter Herdenschutzhund in meinen Dogwalk-Gruppen.
Positiv entwickelte sich dagegen sein Verhältnis zu meiner Frau.
Tagsüber bestehen kaum noch Probleme. Nur wenn es dunkel ist und Sam in seiner Ruhe gestört wird, kann er gelegentlich fixieren oder knurren.
Außerdem zeigt sich immer wieder, wie fein Hunde unsere Stimmung wahrnehmen. Hat Frauchen schlechte Laune, überträgt sich dies häufig auch auf Sam.
Trotz einzelner Baustellen haben wir gemeinsam bereits sehr viel erreicht.
Update 22.03.2026
Lange lief alles stabil.
Dann wurde Sam plötzlich wieder unruhig. Er schlief schlechter und entwickelte zunächst weichen Kot, später massiven Durchfall.
In den folgenden Tagen verschlechterte sich sein Zustand erheblich. Schließlich bestand der Kot nur noch aus Blut.
Da meine bisherige Tierärztin ihre Praxis geschlossen hatte, begann ich kurzfristig nach einer neuen Praxis zu suchen. Über Empfehlungen meiner Dogwalk-Gruppen und aus dem Pferdebereich fand ich schließlich eine Tierärztin in Morsbach.
Die Untersuchungen ergaben Einblutungen in den Darm.
Der Verdacht richtete sich zunächst auf eine schwere bakterielle Infektion. Gleichzeitig wurden aufgrund der Vorgeschichte erneut die Clostridien berücksichtigt.
Nach Blutuntersuchung und großem Kotprofil zeigte sich:
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starke Infektion
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Clostridien inzwischen vollständig ausgeheilt
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großes Kotprofil ohne weiteren Befund
Nach Antibiotika und einer gezielten Darmsanierung stabilisierte sich Sam innerhalb weniger Wochen deutlich.
Heute wissen wir, dass sein Magen-Darm-System sehr empfindlich auf Stress reagiert. Hohe Temperaturen, starke Wetterumschwünge oder andere Belastungen führen schnell zu Übersäuerung, Aufstoßen und weicherem Kot.
Deshalb beobachte ich ihn weiterhin sehr genau und dokumentiere alle Auffälligkeiten.
Mein Fazit
Wer einen Hund übernimmt, der als schwierig gilt, braucht Geduld, Zeit und Ausdauer.
Nicht jedes Verhalten lässt sich durch Training lösen. Oft steckt mehr dahinter: Schmerzen, gesundheitliche Probleme oder schlechte Erfahrungen.
Nur wer bereit ist, den Hund als Ganzes zu betrachten und sowohl medizinische als auch verhaltenstherapeutische Aspekte einzubeziehen, wird langfristig erfolgreich sein.
Sam hat mich einmal mehr daran erinnert, wie wichtig genaues Beobachten, fachliches Wissen und ein gutes Team aus Hundetrainer, Tierarzt und Hundehalter sind.
Der Dank, den ein solcher Hund seinem Menschen irgendwann zurückgibt, ist mit Geld nicht zu bezahlen.

Kira – ein besonderer Hund
Geboren 2009 – † 07.10.2023
Am 05.05.2018 habe ich die Kuvasz-Retriever-Mix-Hündin Kira im Alter von neun Jahren bei mir aufgenommen.
Die ersten acht Jahre ihres Lebens wurde sie ausschließlich als Gartenhund gehalten. Nachdem ihr Halter verstorben war, kam sie als Notfall mit einem als „schwierig“ beschriebenen Verhalten ins Tierheim. Sie war stark untergewichtig und brachte zudem gesundheitliche Probleme mit, deren Ursachen zunächst nicht eindeutig geklärt werden konnten.
Nach einigen unruhigen Wochen im Tierheim entschied man sich, Kira zu kastrieren. Anschließend kam sie auf eine Pflegestelle – in der Hoffnung, dass sich ihr Verhalten verbessern würde.
Leider trat genau das Gegenteil ein. Kira zeigte sich äußerst misstrauisch, fixierte Menschen, schnappte nach Händen, ließ nicht jeden an sich heran, verteidigte Ressourcen und machte sehr deutlich, wenn ihr etwas nicht gefiel. Kurz gesagt: Sie meinte es ernst und setzte ihre Drohungen notfalls auch durch.
Daraufhin wurde sie von mehreren Fachstellen neu eingeschätzt. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus. Man hielt Kira für nicht mehr berechenbar und damit praktisch unvermittelbar. Sogar eine Einschläferung stand im Raum.
Obwohl die bisherigen Einschätzungen wenig Hoffnung machten, wurde ich gefragt, ob ich mir Kira ansehen würde. Gemeinsam mit der Pflegestelle und einem Teil des Tierheimvorstands trafen wir uns im Tierheim Olpe. Dort zeigte sie bereits sowohl ihre freundliche als auch ihre schwierige Seite. Es wirkte zunächst schlimmer, als es letztendlich war.
Ich ging mit ihr zunächst alleine eine Runde spazieren. Wir kamen erstaunlich gut miteinander zurecht. Deshalb entschied ich mich, sie mit nach Hause zu nehmen, um sie in Ruhe kennenzulernen und besser einschätzen zu können.
Einschläfern kann man immer noch – wenn tatsächlich eine unkontrollierbare Gefahr vom Hund ausgeht oder eine schwerwiegende Erkrankung, beispielsweise ein Hirntumor, festgestellt wird. Zunächst wollte ich ihr diese Chance geben.
Schon bald stellte sich heraus, dass Kira gesundheitlich zahlreiche Baustellen mitgebracht hatte:
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Schilddrüsenunterfunktion
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Durchblutungsstörungen
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dauerhaft weit geöffnete Pupillen mit stark eingeschränktem Sehvermögen
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dadurch große Unsicherheit bei der Einschätzung ihrer Umgebung
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altersbedingte Gelenk- und Hüftbeschwerden
Viele dieser gesundheitlichen Probleme hatten direkten Einfluss auf ihr Verhalten.
Auch für mich begann damit eine völlig neue Lernreise. Ich musste verstehen, welchen Einfluss Hormone, Botenstoffe, Schmerzen und organische Erkrankungen auf das Verhalten eines Hundes haben können. Biologie lag bei mir viele Jahre zurück. Deshalb fragte ich viel nach, recherchierte selbst, besuchte gezielt Fort- und Weiterbildungen und arbeitete mich intensiv in dieses Thema ein.
Dabei hatte ich das große Glück, meine Schwester regelmäßig um Rat fragen zu können. Sie ist Humanmedizinerin und konnte mir viele medizinische Zusammenhänge verständlich erklären. Den Rest erarbeitete ich mir über Fachliteratur und zahlreiche Fortbildungen.
Nach etwa drei Monaten hatten sich Kiras Blutwerte deutlich verbessert. Nach einem halben Jahr ließ sich ihr Verhalten wesentlich genauer einschätzen.
Es wurde deutlich, wo ihre eigentlichen Schwierigkeiten lagen:
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große Unsicherheit gegenüber Menschen und Hunden
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Angst vor unbekannten Situationen
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Phobien bei Schüssen, Feuerwerk und Gewitter
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große Unsicherheit gegenüber Tierarztpraxen sowie Pferden, Kühen und Schafen
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ausgeprägtes territoriales Verhalten, wie es bei Herdenschutzhunden typisch ist
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Ressourcenverteidigung
Vor allem wurde deutlich, wie viel Umwelt ihr in den ersten Lebensjahren gefehlt hatte.
Mit der Zeit erkannte ich immer mehr Zusammenhänge. Viele Verhaltensweisen waren nicht auf den ersten Blick sichtbar. Mir wurde bewusst, dass man bei manchen Hunden mit der klassischen Interpretation der Körpersprache allein nicht weiterkommt. Man muss lernen, auch zwischen den Zeilen zu lesen und den Hund als Ganzes zu verstehen.
Menschen, die Kira regelmäßig sahen, bestätigten mir immer wieder, welche enorme positive Entwicklung sie gemacht hatte. Gerade diese Rückmeldungen halfen mir sehr dabei, ihren Weg richtig einzuordnen.
Nach etwa einem Jahr verschlechterte sich ihr Sehvermögen weiter. Gleichzeitig zeigte sie aber immer häufiger ihre unglaublich verschmuste und liebevolle Seite. Wir freuten uns jeden Morgen darüber, dass wir gemeinsam in den Tag starten durften.
Seit Herbst 2020 ließ auch ihr Gehör deutlich nach. Einerseits war das für sie sogar eine Erleichterung, weil sie nicht mehr auf jedes Geräusch überempfindlich reagierte. Andererseits blieben Silvester und Gewitter bis zuletzt tief sitzende Traumata.
Ab Sommer 2022 baute Kira körperlich zunehmend ab. Im Dezember kamen deutliche Anzeichen hinzu, dass auch Leber und Nieren nicht mehr richtig arbeiteten. Ich wusste, dass unsere gemeinsame Zeit begrenzt war. Deshalb genoss ich jeden einzelnen Tag, jede Stunde und jeden Moment mit ihr.
Der schwerste Abschied
Am 07.10.2023 kam der Tag, vor dem sich jeder Hundehalter fürchtet.
Kira hatte ihre Kraft verloren. Sie zeigte motorische Ausfälle, hatte starke Schmerzen, ihre Gelenke waren geschwollen und sie konnte kaum noch laufen. Immer wieder stürzte sie, schwankte bei jedem Schritt und jede Bewegung fiel ihr schwer.
Lange habe ich mit dieser Entscheidung gerungen. Immer wieder hoffte ich, dass sie sich vielleicht noch einmal erholen würde. Doch gleichzeitig sah ich jeden Tag, wie ihre Kräfte weiter nachließen und sie sich immer mehr quälte. Ihre Lebensqualität war nicht mehr gegeben.
Den richtigen Zeitpunkt zu finden, ist eine der schwersten Entscheidungen überhaupt. Doch wir Hundehalter tragen die Verantwortung, auch diesen letzten Weg für unser Tier zu gehen.
Ich musste Kira gehen lassen.
Danke
Danke an alle Menschen, die Kira so angenommen haben, wie sie war.
„Seelenhunde hat sie jemand genannt. Jene Hunde, die es nur einmal im Leben gibt. Jene Hunde, die wie Schatten waren, wie die Luft zum Atmen. Jene Hunde, die uns ohne Worte verstanden.“
(In Anlehnung an „Der kleine Prinz“)
Kira gehörte für mich genau zu diesen Seelenhunden.
An alle Hundehalter, die verzweifeln
Wenn das Zusammenleben mit einem schwierigen Hund nicht so funktioniert, wie man es sich wünscht, braucht es vor allem Zeit, Geduld und Ausdauer.
Nicht jedes Problem lässt sich vollständig lösen. Aber jeder kleine Fortschritt bedeutet für den Hund mehr Lebensqualität – und für den Menschen einen enormen Erfahrungsschatz.
Nachgedanke
Kira kam in mein Leben, um mir zu zeigen, wie man schwierige Hunde wirklich versteht.
Viele meiner Fort- und Weiterbildungen habe ich nur ihretwegen besucht. Ich wollte ihr helfen. Ohne es zunächst zu merken, brachte sie mich genau dorthin zurück, weshalb ich ursprünglich Hundetrainer und anerkannter Sachverständiger geworden bin.
Meine Wurzeln entstanden bereits 2010 im Tierheim Olpe. Die Jahre danach waren für mich eine Phase der Orientierung. Erst Kira führte mich wieder zurück zu dem Bereich, der mich wirklich erfüllt: der Arbeit mit schwierigen Hunden.
Fortbildungen vermitteln Theorie. Doch die Praxis zeigt schnell, dass Wissen allein nicht ausreicht. Erst wenn man einen Hund Tag für Tag begleitet, lernt man wirklich zu verstehen, was hinter seinem Verhalten steckt.
Liebe Kira,
du hast mir mehr beigebracht als jede Fortbildung und jedes Fachbuch.
Danke für alles.
Danke von Herzen – für immer.

Gismo – aus einem Pflegehund wurde ein Freund fürs Leben
Ende Juli 2010 – 13.04.2018
Ende Juli 2010 kam Gismo, ein Ratonero Bodeguero Andaluz, aus dem Tierheim Olpe zunächst als Pflegehund zu mir. Er galt als nicht vermittelbar. Eigentlich sollte er nur vorübergehend bleiben – doch manchmal suchen sich Hunde ihren Menschen selbst. Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen wurden Jahre. Gismo blieb.
Er war einer dieser Hunde, die auf den ersten Blick vielleicht nicht jedem auffallen, die aber mit ihrem Wesen das Herz eines Menschen erobern. Er hatte Ecken und Kanten, einen eigenen Kopf und brachte sicher auch den einen oder anderen mit seinem Verhalten an Grenzen. Doch genau das machte ihn so besonders. Hinter seiner Geschichte steckte ein Hund, der einfach jemanden brauchte, der ihn verstand, ihm Zeit gab und ihn so annahm, wie er war.
Mit Geduld, Vertrauen und einer klaren, fairen Führung entwickelte sich aus dem ehemaligen Pflegehund ein treuer Begleiter. Er zeigte jeden Tag aufs Neue, dass Hunde, die als „nicht vermittelbar“ abgestempelt werden, oft nur den richtigen Menschen brauchen, der bereit ist, hinter die Fassade zu schauen. Für mich war Gismo nie ein hoffnungsloser Fall – sondern ein Hund mit Persönlichkeit.
Viele gemeinsame Jahre durfte ich mit ihm verbringen. Jahre voller kleiner und großer Momente, die sich nicht in Worte fassen lassen: gemeinsame Spaziergänge, ruhige Augenblicke, kleine Erfolge und das stille Vertrauen, das mit der Zeit immer größer wurde. Gerade diese alltäglichen Erlebnisse machen die schönsten Erinnerungen aus.
Gismo erreichte ein Alter von etwa 14 Jahren. Am 13. April 2018 musste ich ihn schweren Herzens gehen lassen. Krebs hatte bereits alle Bauchorgane befallen, sodass keine Hilfe mehr möglich war. Die Entscheidung, ihn gehen zu lassen, fiel unendlich schwer – doch sie war der letzte Liebesbeweis, den ich ihm schenken konnte.
Gismo hat mich einmal mehr darin bestärkt, dass kein Hund vorschnell aufgegeben werden sollte. Hinter jedem Verhalten steckt eine Geschichte, und hinter jedem schwierigen Hund kann ein wunderbarer Begleiter stehen, wenn man bereit ist, ihm Zeit, Verständnis und eine echte Chance zu geben.
Danke, Gismo. Aus einem Pflegehund wurdest du ein Freund fürs Leben. Du wirst immer einen festen Platz in meinem Herzen haben und unvergessen bleiben.


Lumpi – ein kleiner Terrier mit großem Herzen
November 2001 bis Januar 2010
Lumpi war ein Terrier-Mix-Rüde, den ich im November 2001 aus dem Tierheim Dellbrück übernommen habe. Er war damals bereits etwa acht Jahre alt und gehörte damit zu den Hunden, die häufig übersehen werden.
Doch genau wie viele ältere Tierheimhunde hatte Lumpi noch so viel Lebensfreude, Charakter und Liebe zu verschenken. Er wurde zu einem treuen Begleiter und bereicherte mein Leben viele Jahre lang.
Gemeinsam erlebten wir schöne und unvergessliche Momente. Er zeigte jeden Tag aufs Neue, dass nicht das Alter zählt, sondern die gemeinsame Zeit, die man miteinander verbringen darf.
Leider erkrankte Lumpi an Knochenkrebs. Im Januar 2010 musste ich ihn schweren Herzens gehen lassen.
Auch wenn unsere gemeinsame Zeit viel zu kurz war, wird Lumpi für immer einen festen Platz in meinem Herzen haben. Er war einer der Hunde, die mich geprägt und auf meinem Weg begleitet haben – und ich bin dankbar für jeden einzelnen Tag mit ihm.

Jimmy – ein treuer Wegbegleiter
1994 – Oktober 2001
Jimmy war mein erster Hund – ein Zwergpinscher, den ich 1994 aus dem Tierheim Wipperfürth zu mir holte. Er war damals bereits etwa acht Jahre alt und gehörte damit schon zu den Senioren.
Trotz seines Alters schenkte er mir viele schöne gemeinsame Jahre. Mit seinem eigenen Charakter und seiner Treue wurde Jimmy zu einem wichtigen Begleiter und legte den Grundstein für meinen weiteren Weg mit Hunden.
Im Oktober 2001 musste ich schließlich Abschied von ihm nehmen. Er verstarb an Nebennierenkrebs.
Jimmy wird für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.
